Warum benötigt thermische Bodenbehandlung eine mehrstufige Abgasreinigung?

Markus Reichenbach ·

Thermische Bodenbehandlung benötigt eine mehrstufige Abgasreinigung, weil beim Erhitzen kontaminierter Böden im Drehrohrofen eine komplexe Mischung verschiedener Schadstoffe in die Gasphase überführt wird. Kein einzelnes Reinigungsverfahren kann alle relevanten Schadstoffklassen gleichzeitig und zuverlässig auf die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte reduzieren. Die folgenden Abschnitte erklären, welche Schadstoffe entstehen, wie die einzelnen Reinigungsstufen zusammenwirken und warum jede Stufe unverzichtbar ist.

Welche Schadstoffe entstehen bei der thermischen Desorption im Drehrohrofen?

Bei der thermischen Desorption im Drehrohrofen werden organische Schadstoffe aus dem Boden gelöst und in den gasförmigen Aggregatzustand überführt. Das entstehende Rohgas enthält je nach Kontamination des Ausgangsmaterials Kohlenwasserstoffe wie MKW und BTEX, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Phenole, chlorierte Verbindungen wie PCB und PCDD/PCDF sowie Quecksilber in gasförmiger Form.

Die genaue Zusammensetzung des Rohgases hängt stark vom Ausgangssubstrat ab. Böden von stillgelegten Gaswerkstandorten enthalten typischerweise hohe PAK- und Cyanidkonzentrationen. Altlasten aus militärischen Anlagen können Nitroaromaten oder chlorierte Lösungsmittel enthalten. Böden mit PFAS- oder PFOS-Belastung stellen aufgrund der chemischen Stabilität dieser Verbindungen besondere Anforderungen an die Nachverbrennung. Hinzu kommen anorganische Stäube und Partikel, die beim Durchlaufen des Ofens mechanisch freigesetzt werden.

Diese Bandbreite an Schadstoffen in einem einzigen Abgasstrom erklärt, warum die thermische Bodenbehandlung eine mehrstufige Reinigungskette erfordert. Unterschiedliche Schadstoffe reagieren auf unterschiedliche physikalische und chemische Reinigungsmechanismen, und keine einzelne Stufe deckt das gesamte Spektrum ab.

Wie funktioniert eine mehrstufige Abgasreinigungsanlage?

Eine mehrstufige Abgasreinigungsanlage besteht aus aufeinander abgestimmten Verfahrensstufen, die das Rohgas aus dem Drehrohrofen nacheinander behandeln. Die typische Abfolge umfasst Entstaubung, thermische Nachverbrennung, Rauchgaswäsche und Aktivkohlefilterung. Jede Stufe übernimmt dabei eine spezifische Aufgabe im Gesamtprozess.

Entstaubung

Im ersten Schritt werden grobe und feine Partikel aus dem Rohgas abgeschieden. Zyklone oder Gewebefilter trennen Stäube und Feststoffpartikel, bevor das Gas in die Nachverbrennung gelangt. Dieser Schritt schützt nachfolgende Anlagenteile vor Verschmutzung und erhöht deren Wirkungsgrad.

Thermische Nachverbrennung

Das entstaubte Gas wird in einer Nachverbrennungskammer bei Temperaturen von über 850 °C und einer definierten Verweilzeit vollständig oxidiert. Organische Schadstoffe, die im Drehrohrofen nur desorbiert, aber nicht vollständig zerstört wurden, werden in dieser Stufe thermisch abgebaut. Besonders für persistente organische Verbindungen wie PCDD/PCDF ist diese Stufe entscheidend.

Rauchgaswäsche und Aktivkohlefilter

Nach der Nachverbrennung durchläuft das Abgas eine nasse oder trockene Rauchgaswäsche, die saure Gaskomponenten wie Chlorwasserstoff, Schwefeldioxid und Fluorwasserstoff neutralisiert. Im abschließenden Aktivkohlefilter werden verbleibende organische Spurenstoffe, Quecksilber und andere flüchtige Schwermetallverbindungen adsorbiert. Erst nach diesem letzten Schritt wird das gereinigte Gas über den Kamin in die Atmosphäre abgeleitet.

Warum reicht eine einstufige Reinigung für kontaminierte Böden nicht aus?

Eine einstufige Reinigung reicht nicht aus, weil die im Abgas enthaltenen Schadstoffe chemisch und physikalisch zu unterschiedlich sind, um mit einem einzigen Verfahren vollständig erfasst zu werden. Partikel lassen sich mechanisch abscheiden, organische Verbindungen müssen thermisch oder adsorptiv behandelt werden, und saure Gase erfordern eine chemische Neutralisation.

Ein weiteres Problem ist die Bildung von Sekundärschadstoffen. Bei der thermischen Behandlung chlorhaltiger Verbindungen können in bestimmten Temperaturbereichen neue chlorierte Kohlenwasserstoffe entstehen, darunter auch Dioxine und Furane. Eine einzige Reinigungsstufe könnte diese Neubildung nicht verlässlich kontrollieren. Die Kombination aus Hochtemperatur-Nachverbrennung und anschließender Schnellkühlung ist genau darauf ausgelegt, die Neubildung solcher Verbindungen zu unterdrücken.

Kontaminierte Böden aus Altlastenprojekten weisen zudem häufig Schadstoffgemische auf, deren Zusammensetzung nicht immer vollständig bekannt ist. Eine mehrstufige Abgasreinigung bietet hier die notwendige Sicherheitsmarge, um auch unerwartete Schadstoffkomponenten zuverlässig zurückzuhalten. Informationen zu den zulässigen Abfallarten und Annahmegrenzwerten finden Sie unter AVV-Abfallschlüssel und Annahmegrenzwerte.

Welche Grenzwerte gelten für Abgase aus thermischen Bodenbehandlungsanlagen?

Thermische Bodenbehandlungsanlagen unterliegen in Deutschland der 17. Bundesimmissionsschutzverordnung (17. BImSchV), die strenge Emissionsgrenzwerte für eine Vielzahl von Schadstoffen festlegt. Dazu gehören Grenzwerte für Staub, Kohlenmonoxid, organische Gesamtkohlenstoffverbindungen, Stickoxide, Schwefeldioxid, Chlorwasserstoff, Schwermetalle sowie PCDD/PCDF.

Für Dioxine und Furane gilt ein besonders strenger Grenzwert von 0,1 Nanogramm Toxizitätsäquivalent pro Kubikmeter Abgas. Quecksilber ist mit einem eigenen Grenzwert geregelt, da es in vielen Altlastenböden vorkommt und im Abgas in gasförmiger Form vorliegt. Die Einhaltung dieser Grenzwerte muss durch kontinuierliche und diskontinuierliche Messungen nachgewiesen werden.

Die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) bildet die rechtliche Grundlage für den Betrieb. Sie legt neben den Emissionsgrenzwerten auch die Betriebsbedingungen fest, unter denen die Anlage betrieben werden darf, einschließlich Mindesttemperaturen und Verweilzeiten in der Nachverbrennung.

Was passiert mit den Rückständen aus der Abgasreinigung?

Die Rückstände aus der Abgasreinigung, darunter Filteraschen, Wäscherschlämme und beladene Aktivkohle, gelten als gefährliche Abfälle und müssen ordnungsgemäß entsorgt werden. Sie konzentrieren die aus dem Abgas abgeschiedenen Schadstoffe und dürfen nicht ohne Weiteres deponiert oder anderweitig verwertet werden.

Filteraschen aus der Entstaubung und Rückstände aus der Rauchgaswäsche werden je nach Zusammensetzung einer gesicherten Deponie für gefährliche Abfälle zugeführt oder einer spezialisierten Aufbereitung unterzogen. Beladene Aktivkohle wird in der Regel thermisch regeneriert oder als Sonderabfall entsorgt. Das Stoffstrommanagement dieser Rückstände ist ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts einer thermischen Behandlungsanlage.

Die Mengen dieser Rückstände sind im Vergleich zum behandelten Bodenvolumen gering, aber ihre schadlose Entsorgung ist gesetzlich vorgeschrieben und erfordert eine sorgfältige Dokumentation und Nachweisführung.

Wie wird die Abgasreinigung kontinuierlich überwacht?

Die Abgasreinigung thermischer Bodenbehandlungsanlagen wird durch ein kombiniertes System aus kontinuierlicher Online-Messtechnik und regelmäßigen diskontinuierlichen Messungen durch zugelassene Messstellen überwacht. Kontinuierlich gemessen werden Parameter wie Kohlenmonoxid, Gesamtkohlenstoff, Stickoxide, Schwefeldioxid, Chlorwasserstoff, Staub und die Abgastemperatur.

Die Messwerte werden in Echtzeit erfasst, aufgezeichnet und mit den genehmigten Grenzwerten abgeglichen. Überschreitungen lösen automatisch Alarme aus und können zu einer geregelten Abschaltung der Anlage führen. Diese automatisierten Schutzfunktionen sind ein zentrales Element des sicheren Anlagenbetriebs.

Diskontinuierliche Messungen durch externe, von der Behörde anerkannte Messinstitute ergänzen die Online-Überwachung. Sie erfassen Schadstoffe, die messtechnisch nicht kontinuierlich bestimmbar sind, darunter Dioxine, Furane und Schwermetalle. Die Ergebnisse werden den zuständigen Behörden gemeldet und dokumentiert. Ein konsequentes Qualitätsmanagement stellt sicher, dass alle Überwachungspflichten lückenlos erfüllt werden.

Wie die ARE Deutzen GmbH bei der thermischen Bodenbehandlung mit mehrstufiger Abgasreinigung hilft

Die ARE Deutzen GmbH betreibt seit 1994 eine thermische Bodenbehandlungsanlage am Standort Deutzen in Westsachsen und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Behandlung komplex kontaminierter mineralischer Abfälle. Die Anlage ist mit einer vollständigen mehrstufigen Abgasreinigung ausgestattet und nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigt.

Für Tiefbauunternehmen, Projektentwickler und Industriekunden, die belastete Standorte sanieren oder revitalisieren möchten, bietet die ARE Deutzen GmbH konkrete Lösungen:

  • Thermische Desorption bei Temperaturen bis etwa 600 °C, abhängig von Material und Schadstoffbelastung, für ein breites Spektrum an Schadstoffen, darunter MKW, BTEX, PAK, PCB, PFAS/PFOS, PCDD/PCDF und Quecksilber
  • Mehrstufige Abgasreinigung mit Entstaubung, thermischer Nachverbrennung, Rauchgaswäsche und Aktivkohlefilter zur sicheren Einhaltung aller gesetzlichen Emissionsgrenzwerte
  • Übernahme und Entsorgung von Böden, Baggergut, Bauschutt und Prozessrückständen im Rahmen eines vollständigen Stoffstrommanagements
  • Zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb (EfB) mit Zertifizierungen nach ISO 9001, 14001, 50001 und 18001
  • Lückenlose Dokumentation und Nachweisführung für alle behandelten Materialien

Wenn Sie ein Sanierungsprojekt planen oder Fragen zur Behandlung kontaminierter Böden haben, sprechen Sie direkt mit den Experten der ARE Deutzen GmbH. Kontaktieren Sie uns für eine fachkundige Beratung zu Ihrem Projekt.

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