Was tun, wenn kontaminierter Boden nicht direkt deponiert werden kann?

Kontaminierter Boden darf dann nicht direkt auf einer Deponie abgelagert werden, wenn die Schadstoffgehalte die gesetzlich festgelegten Zuordnungswerte überschreiten. In diesem Fall ist eine Vorbehandlung gesetzlich vorgeschrieben, bevor eine Deponierung überhaupt zulässig ist. Der folgende Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Behandlungsverfahren, thermische Desorption und den praktischen Ablauf der Entsorgung.

Wann darf kontaminierter Boden nicht auf einer Deponie abgelagert werden?

Kontaminierter Boden darf nicht direkt deponiert werden, wenn seine Schadstoffgehalte die Zuordnungswerte der Deponieverordnung (DepV) überschreiten. Die DepV legt für jede Deponieklasse verbindliche Grenzwerte fest. Werden diese Werte überschritten, ist eine Vorbehandlung des Materials gesetzlich zwingend erforderlich.

Die Deponieverordnung unterscheidet zwischen den Klassen DK 0 bis DK IV sowie Untertagedeponien. Je höher die Schadstoffbelastung, desto strenger die Anforderungen. Böden mit hohen Konzentrationen organischer Schadstoffe wie polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK), polychlorierter Biphenyle (PCB) oder leichtflüchtiger Kohlenwasserstoffe (BTEX) überschreiten häufig die Grenzwerte der verfügbaren Deponieklassen und können daher ohne Behandlung nicht abgelagert werden.

Hinzu kommen praktische und wirtschaftliche Aspekte: Deponiekapazitäten für hochbelastete Materialien sind begrenzt und die Entsorgungskosten entsprechend hoch. Eine gezielte Behandlung des kontaminierten Bodens kann nicht nur die Deponierbarkeit herstellen, sondern auch die Menge des tatsächlich zu deponierenden Materials erheblich reduzieren.

Welche Behandlungsverfahren gibt es für stark kontaminierten Boden?

Für stark kontaminierten Boden stehen im Wesentlichen biologische, chemisch-physikalische und thermische Verfahren zur Verfügung. Die Wahl des geeigneten Verfahrens hängt von der Art der Schadstoffe, den Konzentrationen und den Anforderungen an das behandelte Material ab.

  • Biologische Verfahren: Mikroorganismen bauen organische Schadstoffe ab. Dieses Verfahren eignet sich vor allem für leicht biologisch abbaubare Verbindungen wie Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) bei moderaten Konzentrationen. Bei hohen Schadstoffgehalten oder schwer abbaubaren Verbindungen stößt die Biologie an ihre Grenzen.
  • Chemisch-physikalische Verfahren: Dazu zählen unter anderem Bodenwaschverfahren, bei denen Schadstoffe aus dem Bodenmaterial herausgelöst werden. Diese Verfahren sind für bestimmte Schadstoffklassen geeignet, erfordern aber eine aufwendige Wasseraufbereitung und sind nicht universell einsetzbar.
  • Thermische Verfahren: Die thermische Desorption und die Verbrennung sind die leistungsfähigsten Verfahren für komplex belastete Böden. Sie eignen sich auch für Schadstoffe, die mit anderen Methoden nicht zuverlässig entfernt werden können, wie PCB, PCDD/PCDF (Dioxine und Furane) oder PFAS.
  • Mechanisch-physikalische Vorbehandlung: Häufig wird eine mechanische Vorbehandlung eingesetzt, um Fremdbestandteile abzutrennen, die Korngröße zu homogenisieren und das Material für ein nachgeordnetes Verfahren vorzubereiten.

Bei der Altlastensanierung komplexer Standorte kommen häufig mehrere Verfahren kombiniert zum Einsatz, um unterschiedliche Schadstoffklassen effektiv zu behandeln.

Wie funktioniert die thermische Desorption bei kontaminiertem Boden?

Bei der thermischen Desorption wird kontaminierter Boden in einem Drehrohrofen unter Sauerstoffausschluss auf Temperaturen von bis zu etwa 600 °C erhitzt, abhängig von Material und Schadstoffbelastung. Durch die Wärme werden organische Schadstoffe aus dem Bodenmaterial ausgetrieben oder zerstört, ohne dass das Bodenmaterial selbst verbrennt.

Der Ablauf lässt sich in drei Hauptphasen gliedern:

  1. Mechanische Vorbehandlung: Das angelieferte Material wird zunächst gesiebt, gebrochen und auf eine geeignete Korngröße gebracht. Störstoffe wie Metalle oder Kunststoffe werden abgetrennt.
  2. Thermische Behandlung im Drehrohrofen: Das vorbereitete Material durchläuft den rotierenden Ofen. Die Temperatur wird je nach Schadstoffprofil eingestellt. Unter Sauerstoffausschluss werden flüchtige Schadstoffe in die Gasphase überführt, schwer flüchtige Verbindungen werden direkt zerstört.
  3. Mehrstufige Abgasreinigung: Das entstehende Prozessgas wird einer mehrstufigen Reinigung unterzogen: Entstaubung, thermische Nachverbrennung bei hohen Temperaturen, Rauchgaswäsche und Aktivkohlefilter. Dieser Prozess stellt sicher, dass die gesetzlichen Emissionsgrenzwerte zuverlässig eingehalten werden.

Das Ergebnis ist ein weitgehend schadstofffreies mineralisches Material, das anschließend bewertet und einer geeigneten Verwertung oder Deponierung zugeführt werden kann. Mehr über den gesamten Prozess erläutert die Seite zur thermischen Bodenbehandlung.

Für welche Schadstoffe ist thermische Desorption geeignet?

Die thermische Desorption ist für ein breites Spektrum organischer Schadstoffe geeignet, insbesondere für solche, die flüchtig oder thermisch abbaubar sind. Sie ist eine der wenigen Methoden, die auch bei besonders hartnäckigen oder gemischten Schadstoffbelastungen zuverlässige Ergebnisse liefert.

Typische Schadstoffe, für die das Verfahren zugelassen und erprobt ist:

  • Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW)
  • Leichtflüchtige aromatische Verbindungen (BTEX: Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol)
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
  • Polychlorierte Biphenyle (PCB)
  • Quecksilber (Hg)
  • Phenole und Cyanide
  • Nitroaromaten
  • Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS/PFOS)
  • Dioxine und Furane (PCDD/PCDF)
  • Weitere chlorierte Kohlenwasserstoffverbindungen

Besonders bei Mischkontaminationen, wie sie häufig an stillgelegten Industrie-, Gaswerks- oder Rüstungsstandorten vorkommen, ist die thermische Desorption anderen Verfahren überlegen, da sie mehrere Schadstoffklassen in einem einzigen Behandlungsschritt erfassen kann.

Was passiert mit dem Boden nach der thermischen Behandlung?

Nach der thermischen Behandlung liegt ein mineralisches Material vor, das weitgehend frei von organischen Schadstoffen ist. Dieses Material wird beprobt und analytisch bewertet, um seinen weiteren Entsorgungsweg zu bestimmen. Je nach Ergebnis kann es verwertet oder auf einer geeigneten Deponie abgelagert werden.

Gut behandeltes Material mit niedrigen Restkontaminationen kann unter Umständen im Erdbau, als Füllmaterial oder in anderen technischen Anwendungen eingesetzt werden. Voraussetzung ist, dass die geltenden Grenzwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) sowie der Ersatzbaustoffverordnung eingehalten werden.

Materialien, die nach der Behandlung die Zuordnungswerte für eine Verwertung nicht erfüllen, werden ordnungsgemäß deponiert. Durch die thermische Behandlung sind sie jedoch deutlich weniger belastet als zuvor, was eine Ablagerung auf einer niedrigeren Deponieklasse ermöglicht und die Entsorgungskosten senkt. Das Stoffstrommanagement stellt sicher, dass jeder Materialstrom dem optimalen Entsorgungsweg zugeführt wird.

Wie läuft die Anlieferung und Entsorgung kontaminierter Böden ab?

Die Anlieferung kontaminierter Böden folgt einem geregelten Prozess, der mit der Voranfrage und Charakterisierung des Materials beginnt. Ohne eine vollständige Abfallcharakterisierung darf kontaminierter Boden nicht zur Behandlung angenommen werden. Der Ablauf umfasst typischerweise folgende Schritte:

  1. Voranfrage und Materialcharakterisierung: Der Auftraggeber übermittelt vorhandene Analysedaten und Informationen zur Herkunft und Zusammensetzung des Materials. Auf dieser Basis wird geprüft, ob und unter welchen Bedingungen eine Annahme möglich ist.
  2. Angebotserstellung und Genehmigung: Nach Prüfung der Unterlagen wird ein Angebot erstellt. Gegebenenfalls sind behördliche Transportgenehmigungen oder Begleitscheine nach der Nachweisverordnung erforderlich.
  3. Transport und Anlieferung: Der Transport erfolgt durch zertifizierte Entsorgungsfachbetriebe. Bei der Anlieferung wird das Material gewogen, visuell kontrolliert und gegebenenfalls beprobt.
  4. Zwischenlagerung und Behandlung: Sofern eine sofortige Behandlung nicht möglich ist, kann das Material in einem gesicherten Zwischenlager gelagert werden, bevor es dem Drehrohrofen zugeführt wird.
  5. Dokumentation und Nachweisführung: Nach der Behandlung erhält der Auftraggeber alle erforderlichen Entsorgungsnachweise und Analysedokumente.

Eine frühzeitige Kontaktaufnahme und vollständige Materialinformationen sind entscheidend, um Verzögerungen zu vermeiden und eine reibungslose Abwicklung sicherzustellen.

Wie die ARE Deutzen GmbH bei der Entsorgung kontaminierter Böden hilft

Die ARE Deutzen GmbH ist seit 1994 auf die thermische Behandlung kontaminierter mineralischer Abfälle spezialisiert und betreibt eine der leistungsfähigsten thermischen Desorptionsanlagen in Deutschland. Mit über 30 Jahren Erfahrung und mehr als 2,5 Millionen behandelten Tonnen bietet die ARE Deutzen konkrete Lösungen für anspruchsvolle Sanierungsprojekte.

Das Leistungsangebot umfasst:

  • Thermische Bodenbehandlung im Drehrohrofen bei Temperaturen von bis zu etwa 600 °C unter Sauerstoffausschluss, abhängig von Material und Schadstoffbelastung
  • Annahme und Behandlung eines breiten Schadstoffspektrums, darunter PAK, PCB, PFAS, Dioxine, Quecksilber und MKW
  • Mechanisch-physikalische Vorbehandlung zur Materialaufbereitung
  • Gesichertes Zwischenlager für kontaminierte Materialien
  • Vollständiges Stoffstrommanagement inklusive Nachweisführung und Dokumentation
  • Zertifizierung als Entsorgungsfachbetrieb (EfB) sowie nach ISO 9001, 14001, 50001 und 18001

Ob stillgelegter Industriestandort, ehemaliges Gaswerk oder belastete Militärfläche: Die ARE Deutzen entwickelt individuelle Lösungen für komplexe Kontaminationen. Nehmen Sie frühzeitig Kontakt auf, um Ihr Projekt gemeinsam zu bewerten und den optimalen Behandlungsweg zu bestimmen. Die Ansprechpartner von ARE Deutzen stehen für eine fachkundige Erstberatung zur Verfügung.

Ähnliche Artikel